Romfahrt Mo. 15.10.2007 bis Fr. 19.10.2007

Romgruppe des Musikverein Rittersdorf bei der Papstaudienz im Vatikan
(vorne rechts vor den Treppen neben Videowand)

Ein Erlebnisbericht von Monika Lichter

Alles fing damit an, dass einige Aktive des Vereins schon mit anderen Gruppen in Rom waren, davon nach der Musikprobe erzählten und auch davon, dass Musikgruppen bei der Begrüßung zur Papstaudienz kurz spielen oder singen dürften. Das war das Startwort: das können wir auch! Und schon war die Idee geboren: Wir fahren mit dem Musikverein nach Rom und spielen bei der Papstaudienz. An die Verwirklichung hat aber eigentlich keiner so recht geglaubt. Manche Aktive ließen aber nicht locker, fragten immer wieder nach und Caroline Müller, Christina Willmes
und Dieter Lichter fingen an zu planen, holten bei verschiedenen Reiseunternehmen Angebote ein, der Termin zweite Herbstferienwoche 2007 wurde festgelegt und beim Pilgerbüro in Rom wurden Karten für die Papstaudienz reserviert.

Und dann starteten wir an einem Montagvormittag in Rittersdorf. Mit einem komfortablen Reisebus, die Musikinstrumente im Gepäck gings zum Flughafen Köln/Bonn und mit dem Flugzeug nach Rom- Fiumicino, wo wir
dann am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein und 24° C landeten. Auf der Fahrt zum Hotel gab es dann schon mal einen ersten Eindruck von Rom.

Im kleinen ruhigen von Ordensschwestern geführten Hotel mitten im lauten Rom fühlten wir uns direkt wohl. Nach einer ersten Erkundung  von Rom am Montagabend und einer ausführlichen Stadttour zu Fuß und mit offenen Bussen am Dienstag trafen wir uns dann am Dienstagabend im Innenhof des Hotels zur Generalprobe für die Audienz. Mit „Großer Gott wir loben dich“, Liedern aus der Schubert-Messe und festlicher symphonischer Blasmusik erspielten wir uns dann die Sympathien der Ordensschwestern. Zum Dank für unser kleines Konzert erhielten wir am nächsten Morgen bereits um 6.00 Uhr unser vorgezogenes Frühstück, bei dem auch die frischen Brötchen nicht fehlten.

Gut gestärkt brachte uns ein Bus unseres Reiseunternehmens bereits um 7.00 Uhr zum Petersplatz, wo wir uns dann ab 7.45 Uhr in die Warteschlange vor den Eingängen einreihten, natürlich gekleidet in unsere Vereinsuniform und mit
den Musikinstrumenten. So konnten wir dann nach dem  Einlass um 8.30 Uhr nach intensiven Sicherheitskontrollen
gute Plätze im vorderen Bereich einnehmen. Geplant war, dort die Instrumente auszupacken, bei der Begrüßung der angemeldeten Gruppen während der Audienz die Nennung unserer Gruppe abzuwarten und dann ein Kirchenlied zu spielen. Als die Sicherheitsleute uns in Uniform und unsere Instrumente sahen, bemerkten wir, dass sie miteinander diskutierten. Auf Rückfrage unseres Vorsitzenden Dieter Lichter bei verschiedenen Verantwortlichen gestatteten sie
uns schließlich noch weiter vorne in einem für besondere Gruppen reservierten Bereich direkt vor den Treppen zum Petersdom Platz zu nehmen und zu musizieren.
Während sich der Petersplatz langsam füllte, stimmten wir uns mit einigen klassischen Stücken auf den späteren kurzen Auftritt ein. Damit die Zeit für alle Wartenden nicht zu lang wurde während sich der Papst verspätete, gab man uns dann die Möglichkeit abwechselnd mit einem italienischen Männerchor über Mikrofon zu musizieren.

Unser „Großer Gott wir loben dich“ auf den Treppen des Petersdoms erschallte mithilfe der Lautsprecheranlage über
den ganzen Platz und brachte uns die nächste Überraschung ein. Einer der Sicherheitsbeamten teilte uns mit, es bestehe der Wunsch, dass wir bei der Einfahrt des Heiligen Vaters auf den Petersplatz zwei Musikstücke darbieten – aber etwas Fröhliches, nichts Kirchliches. Wir konnten es kaum glauben, damit hatte ja nun wirklich niemand gerechnet. Die Aufregung wuchs und wir warteten gespannt auf das Erscheinen des Papstes. Während das Fahrzeug mit dem Heiligen Vater durch die Hauptgänge fuhr und die Menge ihm zujubelte, spielten wir den bekannten
italienischen Schlager „Storie di tutti i giorni“ und anschließend „Nessaja“ aus „Tabaluga“ und 40.000 Menschen auf
dem Petersplatz hörten unsere Musik, zahlreiche Zuschauer an den Bildschirmen in den deutschsprachigen Ländern sahen und hörten uns live von der Audienz bei der Direktübertragung des k-tv. Aber all das wurde uns erst viel später bewusst. Während der Audienz wurde auch unsere Gruppe begrüßt und man gab uns die Gelegenheit, hier ein kurzes Lied zu spielen. Wir hatten uns für das feierliche Kirchenlied „Ein Haus voll Glorie schauet“ entschieden. Später
erfuhren wir von unseren Begleitpersonen, dass zuerst die Besucher im vorderen Bereich in das Lied einstimmten und das Ganze sich dann wie eine Welle über den ganzen Platz ausbreitete. Sie berichteten uns auch, dass die Besucher schon vor der Audienz in „Großer Gott wir loben dich“ eingestimmt hatten, jeder in seiner eigenen Sprache, was unsere Begleitgruppe als sehr anrührend empfunden hatte.

Zum Abschluss der Audienz konnten wir uns direkt an den Treppen aufstellen und nur wenige Meter trennten und vom Fahrzeug des Papstes, der beim Verlassen des Platzes allen noch einmal freundlich zuwinkte.

Wir packten unsere Instrumente ein und machten uns zu Fuß auf den Weg zum „Pantheon“, der ältesten Kirche Roms. Unserem Vorsitzenden Dieter Lichter war es gelungen, schon vor unserer Abfahrt nach Rom, dort ein einstündiges Konzert  zu organisieren.
Für den ca. 3km langen Fußweg vom Vatikan zum Pantheon teilten sich die männlichen Teilnehmer das Tragen der großen Instrumente Tuba und Tenorhorn. Doch beschwingt von dem vorher erlebten, war das kein Problem.
Das Pantheon ist ein bekanntes, viel besuchtes Wahrzeichen Roms. Die Besucher können diese Kirche und ihre kunstvolle Ausstattung besichtigen, im Altarraum gibt es noch einen kleinen abgetrennten Bereich mit Sitzplätzen, in dem auch heute noch Gottesdienste abgehalten werden.

In diesem abgetrennten Bereich durften wir Platz nehmen und begannen unser Konzert. Einige Kirchenlieder und anschließend Klassik von Bach und Mozart und moderne festliche Musikstücke standen auf dem Programm. Während die Besucher zuerst noch hinter der Absperrung stehen blieben und kurz zuhörten, wurden es mit der Zeit immer mehr Zuhörer, die begeistert applaudierten und zum Ende des Konzerts wurde uns erst bewusst, dass viele Besucher die Absperrung einfach ignoriert hatten und dort Platz genommen hatten, um unseren Beiträgen zu lauschen.

Viele der Besucher sprachen unsere Dirigentin Steffi Hontheim an, lobten unser Spiel und erzählten, dass sie am Morgen auch bei der Audienz waren und uns schon dort gehört hatten. Auch auf dem Weg zum Pantheon und später nach dem Konzert in dieser Kirche sprachen uns immer wieder vor allem Deutsche in der Stadt auf unsere beiden Auftritte an. Nach so viel Lob und Anerkennung wurde uns dann eigentlich erst auf der Rückfahrt zum Hotel und am nächsten Tag so richtig bewusst, was wir an diesem Tag eigentlich geleistet hatten. Wir waren uns sicher, diese Erfahrung war einmalig, die würde jeder von uns wohl nur einmal im Leben machen. Es war einer der Höhepunkte unserer Vereinsgeschichte, auch wenn leider nicht alle Musikerinnen und Musiker mit nach Rom kommen konnten.

Den nächsten Tag nutzte der Großteil unserer Reisegruppe dann zu einem ausgiebigen Besuch der Vatikanstadt und des Petersdoms. Wir standen auf dem Petersplatz und konnten noch immer nicht ganz glauben, was wir dort am Tag vorher erlebt hatten. Mit einem gemeinsamen Abendessen in einem gemütlichen Ristorante an diesem letzten Abend und einer anschließenden Lichterrundfahrt durch Rom fand auch dieser Tag einen harmonischen Abschluss.

Am Morgen unseres Abreisetages wollten wir uns mit einem kleinen Konzert in der Klosterkapelle bei den Ordensschwestern unseres Hotels für die gute Unterbringung und Verpflegung bedanken und staunten nicht schlecht, als uns hier zahlreiche vor allem kleine Zuhörer erwarteten. Da die Ordensschwestern im gleichen Gebäudekomplex nicht nur das Hotel sondern auch eine Grundschule und eine Kindertagesstätte betreiben, hatten sie auch alle Kinder mit zum Konzert gebracht. Wir waren sehr gerührt über die großen Kinderaugen und die Begeisterung der Kleinen für unsere Musik. So wurde auch dieses kleine Abschiedskonzert noch zu einem ganz besonderen Erlebnis für uns.

Anschließend ging es dann auf dem Weg zum Flughafen noch zu einem Kurzbesuch ans Meer nach Lido di Ostia, bevor wir am Nachmittag den Rückflug nach Köln/Bonn antraten.