Die 1930er Jahre

Der Musikverein "Eintracht" Rittersdorf wurde im Winter 1930/31 gegründet. Ziele laut Satzung waren:

"Pflege der Geselligkeit und Kameradschaftlichkeit
Pflege der Musik
Musikalische Darbietungen in der Gemeinde und auch auswärts
Unterstützung der anderen Dorfvereine durch Gestellung der Musik"

Unter dem Vorsitzenden Heinrich Strauch (Monteur), seinem Stellvertreter Peter Hoor (Landwirt) und dem Schriftführer Peter Grethen (Forstsekretär) wurden zunächst einmal Instrumente angeschafft. Das waren im Einzelnen: 2 Klarinetten, 2 Flügelhörner, 2 Trompeten, 2 Althörner, 2 Tenorhörner, 1 Zugposaune, 1 Es-Tuba und 1 große Trommel. Diese Instrumente wurden von der Fa. Eugen Schilz, Daun zum Preis von 800 Mark (M) gekauft, mit 200 M Anzahlung und 6 Monatsraten à 100 M. Die damaligen Instrumentenpreise lagen zwischen 42 M für eine Klarinette bis 135 M für die Es-Tuba. Im Jahre 1930 lag der Tageslohn (ohne Verpflegung) bei 6 Mark; 0,5 l Bier kosteten damals 0,30 Mark.

Die Noten wurden für 70 Mark angeschafft. Die Proben wurden von zwei Mitgliedern des Bitburger Musikvereins (Dirigent Leo Schmitz und eine weitere Person) zum Preis von 7 M pro Probe abgehalten.
Schreiben des MV Rittersdorf (Heinrich Strauch u. Peter Grethen) an den Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg vom 12. 05.1931

 

 

Die Gemeinde Rittersdorf unterstützte schon damals den jungen Musikverein mit 100 Mark. In den Briefen an den damaligen Reichspräsidenten von Hindenburg und an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz wurde von weit höheren Kosten (1300 M statt 800 M) geschrieben (warum wohl?). Ob die Musiker damit Erfolg hatten, ist leider nicht überliefert.

Auf jeden Fall musste das meiste Geld durch die aktiven Spieler aufgebracht werden. Jeder Aktive musste 70 Mark beisteuern - das war ungefähr ein halber Monatslohn!

Aber auch zur Deckung der laufenden Kosten für Noten, Instrumentalunterricht und Proben hatte man Ideen. Bereits 1932 veranstaltete man zur Nachkirmes eine Tanzmusik.

Es kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz:

Spaziergang nach Merkeshausen im Jahre 1932 (unbekannter Autor)

"Am Sonntag, 29. Mai 1932 unternahm der Musikverein Rittersdorf einen längst geplanten Spaziergang nach Merkeshausen. Alle aktiven Bläser mit Ausnahme von Grüber, Urmes und Strauch haben teilgenommen. Auch haben sich dem Verein eine große Zahl von Damen und Burschen angeschlossen, so dass sich die Gesellschaft auf etwa 50 Personen belief.


Nachdem sich die einzelnen Mitglieder mittags um 12 1/4 Uhr bei der Wirtschaft Josef Nels gesammelt hatten, begann der Auftakt unseres Ganges mit dem "Coburger Marsch". Als Wegzehrung hatten die beiden Mitglieder Alois und Johann Nels je eine Flasche Schnaps gestiftet, die uns, d. h. den erschlappten Pilgern, Labung brachte.


Mit Marschmusik ging es nach Ließem und von dort auf die Provinzialstraße Waxweiler. In Oberweiler konnten wir keine Rast machen, denn der eben verstorbene Lehrer lag in der Wirtschaft auf der Leiche. Ruhig ging es bis durchs Dorf, wo sich auch noch Oberweiler Leute anschlossen. Jetzt wanderten wir nur mehr bergab, bis wir auf einmal unmittelbar vor Merkeshausen standen, ohne dass es auch viele gemerkt hätten. Wiederum durchhallten die Musikklänge das tiefe Merkeshausener Tal, wo uns die wenigen Bewohner erwarteten.

Nachdem wir uns nun dem nahe gelegenen schattigen Buchenwald genähert hatten, umfing uns ein leiser Hunger, der nun bald durch die Einnahme von kräftigen Butterbrotstullen und Zubehör gestillt war. Wiederum drängte es uns zu spielen und so stieg die Ouvertüre. Schon setzte ein Rieselregen ein, der Rest eines Gewitters, dem jedoch bald ein neues folgte, das uns zum Fliehen veranlasste. Einer unter die breitkronigen Buchen, die anderen in die benachbarte Autogarage des Schlossbesitzers. Eine Stunde regnete es ununterbrochen und vertrieben wir uns mittlerweile die Zeit mit Unterhaltungen abwechselnd mit Musik.

Musikverein "Eintracht" Rittersdorf mit Begleitung beim Schloß Merkeshausen

 

 

So gegen 4 1/2 Uhr gestattete uns das Wetter den Aufbruch und ging's durch das schöne Prümtal bis nach Echtershausen. Auch hier zogen wir mit Musik ein, doch sehnte sich jeder mehr oder weniger nach einem kräftigen Trunk. In Merkeshausen kannte man nämlich so was nicht. In Echtershausen kehrten wir ein und brachten die Familie Kaufmann dadurch in Verlegenheit, dass wir ihnen den ganzen Vorrat an Getränken nahmen. Einige schöne Gruppenaufnahmen bleiben uns immer ein schönes Andenken an diesen kleinen Ort mit seiner herrlichen Lage.


Auf nach Hamm. 40 Minuten dauerte es bis wir in Hamm mit Einwilligung der vorhandenen Schlossdamen das Schloss betreten und besichtigen durften. Zum Dank einen schönen Marsch, der mit Begeisterung und Dank von den Schlossbewohnern aufgenommen wurde. Leider waren der Graf und die Gnädige nicht anwesend.

Das nächste Ziel war Biersdorf, in das wir wieder müde und doch mit Begeisterung einzogen. In der Wirtschaft Olinger hat sich ein oder der andere gestärkt und etwas erholt. Zum Schluss ein nettes Tänzchen unter uns bildete des Abschluss als auch schon die hohe Direktion des Vereins zum Aufbruch nach Hause aufrief. Sodann noch der bekannte "Coburger" in seiner nötigen Taktur, dass den Spielern wieder Spaß und Freude und den Besuchern Erleichterung zum Heimweg brachte. In der gewohnten Art und Weise hat so der Spaziergang des Musikvereins seinen Abschluss gefunden, der den Spielern wieder bald einen solchen unternehmen lässt."

Heinrich Strauch schied 1932 aus dem Verein aus, neuer Vorsitzender wurde Peter Grethen.

Am 21. Mai 1933 fand das erste Stiftungsfest des Musikvereins statt.

Dirigent Leo Schmitz aus Bitburg schaffte es, den Musikverein Rittersdorf zu einer Größe von 26 Aktiven aufzubauen. Nach Peter Grethen war Matthias Burger bis zum Kriegsbeginn Vorsitzender.

 

Durch den furchtbaren, unsinnigen 2. Weltkrieg wurde dann der Musikverein auseinander gerissen. Das meiste, was man in den vergangenen Jahren unter großen Opfern und mit viel Idealismus aufgebaut hatte, wurde zerstört.

Die folgenden Namen der aktiven Musikvereinsmitglieder vor 1940 wurden den noch existierenden Vereinsunterlagen und Satzungen entnommen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Aktive Musikvereinsmitglieder vor 1940:
Heinrich Strauch, Peter Hoor, Peter Grethen, Karl Burger, Peter Franzen, Christoph Gasper, Franz Urmes, Christoph Urmes, Fritz Schäfer, Theodor Niederprüm, Jakob Grethen, Johann Gasper, Franz Kolling, Johann Weber, Alois Nels, Johann Nels, Peter Grüber, Peter Poss, Matthias Arens, Jakob Karp, Anton Karp, Robert Francois, Johann Welt, Paul Wirtz, Peter Schmitt, Matthias Burger, Peter Müller, Karl Scheuern, Adam Schilz, Bernhard Schmitt, Theodor Weber, Karl Minor, Matthias Hammes, Paul Wirtz,
NN Kersten, Leo Schmitz

Folgende aktive Spieler sind während des zweiten Weltkriegs zu Tode gekommen:
Adam Schilz, Johann Welt, Bernhard Schmitt, Theodor Weber, Franz Kolling,
Karl Minor, Matthias Hammes, Peter Grüber, Peter Hoor.